Tannegg, Gemeinde: Fischingen TG
Koordinaten: 714 / 254

Das Ungeheuer in der Burg Tannegg

Wenn die Oberländer nach Wil auf den Viehmarkt fuhren, kamen sie zwischen Schmidrüti und Dussnang an der Burg Tannegg vorbei. Man erzählte sich, dass der Turm noch tiefer in die Erde gehe, als er hoch sei. Vor Jahren sei im untersten Kerker ein Gefangener gewesen, den man eines Abends gar jämmerlich habe schreien hören. Der Burgherr machte sich nicht viel draus, weil er meinte, der schreie nur so, um endlich freigelassen zu werden. Aber am anderen Morgen, als der Kerkermeister ihm habe das Essen bringen wollen, sei keine Spur mehr vom Gefangenen vorhanden gewesen; es war nicht einmal erkennbar, wie er hätte fliehen können. Man rätselte, was mit dem Gefangenen geschehen sei. Von den Mönchen in nahen Kloster Fischingen sagten einige, der Teufel habe ihn geholt, und andere, er sei gefressen worden.
Man probierte allerlei, damit der Teufel die arme Seele wieder zurückbringe, aber umsonst. Endlich versuchte man zu erfahren, ob er etwa von einem bösen Tier zerrissen worden wäre. Der Abt des Klosters warf deshalb eines Abends einen toten, vergifteten Hund in den Kerker. Da, am anderen Morgen sei eine furchbare Schlange tot dagelegen - und in deren Bauch habe man den Gefangenen samt Schuhen und Strümpfen gefunden.