Die Burgherrin

Schon wieder Unfrieden im Haus! Seit meine Schwägerin, die Gräfin-Witwe, zu uns gezogen ist, mischt sie sich ständig in die Erziehung der Töchter ein. Agnes jammert, weil sie ihr das Lieblingsbuch weggenommen hat... nicht etwa, weil sie es selber lesen will, sondern weil sie Ritterromane für schädlich hält. Daher die Schwärmereien der Kleinen für unsern Gast, meint sie. Richenza und Agnes sind wie Hund und Katz, seit Agnes ein Auge auf Albert geworfen hat.

Und dann diese ewige Bauerei in der Burg: Lärm und Schmutz überall. Mein Mann meint, in unsicheren Zeiten seien neue Mauern und eine Zugbrücke überlebenswichtig. Dabei wäre das viele Geld in einem bequemen Stadthaus besser angelegt.

Ach, meine Agnes, ich habe einfach nie richtig Zeit für sie: Die Mägde müssen überwacht werden, vor allem jetzt, wo gebuttert wird und alles für den Cousin, der aus dem Heiligen Land zurückkehrt, vorbereitet werden muss. Ach, immer bleibt alles an mir hängen…