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Hallo Werner von der Zinne

Du hast mir am 10.01.2010 folgende Frage gestellt:
Lieber Burgenonkel Warum ist die Burg auf Eurer Titelseite (burgenkids.ch) UNverputzt? (Die Leute in der Umgebung deuten ja darauf hin, dass die Abbildung in der früheren Zeit spielt, nicht heute.) Du schreibst doch selber, dass die Burgen im Mittelalter verputzt waren... Liebe Grüsse, Werner

Dazu kann ich Dir berichten:
Die äussere Oberfläche (und damit das Aussehen) der Burgmauern konnte im Mittelalter ganz unterschiedlicher Art sein.

1. Steinsichtig verputzt
Was Du als «unverputzt» betrachtest, ist eigentlich steinsichtig verputzt. Dabei wird der vorquellende Mauermörtel in der Fuge zwischen den Steinen grosszügig ausgestrichen, so dass nur noch die vorstehenden Steinköpfe frei bleiben. Man nennt dies auch «Rasa pietra».
In dieser Art war vermutlich auch der Burgturm von Frauenfeld «verputzt», obwohl gerade beim Megalithmauerwerk (mega (gr.) = gross, lithos (gr.) = Stein) die besonders raue Oberfläche ihre abweisende Wirkung auf den Betrachter haben sollte.

Eine Variante zum steinsichtig Verputzen ist der «Fugenstrich», bei dem der Maurer bei unregelmässigem Mauerwerk mit der Kelle waagrechte und senkrechte Striche in den steinsichtigen Verputz zieht. So kann er eine Art Quadermauer vortäuschen; echte Quadermauern konnten sich nämlich nur reiche Adlige leisten.

2. Deckputz / glattgestrichener Verputz.
Der glattgestrichene Verputz gibt einem Baukörper ein einheitliches und stattliches Aussehen und ist erst noch verhältnismässig günstig. Darunter kann sich nämlich beliebiges Bruchsteinmauerwerk verbergen. Viele Ruinen wirken heute düster, weil ihnen der ehemals helle Verputz fehlt. Deshalb wählten wir auch für die Menuleiste unserer Homepage einen glattverputzten Mauerausschnitt als Hintergrundsbild.

Der Begriff «Putz» kommt von «den Butzen (Unebenheit, Schmutz) entfernen» und bedeutet in unserem Sinne eine Maueroberfläche ausgleichen oder glätten.

Der Verputz hat beim Mauerwerk aber noch verschiedene andere Funktionen. An der Aussenseite verhindert er das Eindringen von Wasser (Regen, Schnee) in die Fugen zwischen den Steinen. An der Innenseite bietet ein glatter Verputz einen sauberen Anblick und sorgt für ein angenehmes Raumklima (Aufnehmen und Abgeben von Feuchtigkeit aus der Luft).

Nach Ansicht der von mir befragten Spezialisten wird der steinsichtige Verputz und der Fugenstrich beim Burgenbau vom 11. Jahrhundert an angewandt, während der deckende Verputz erst im 14. Jh. bei uns in der Schweiz aufkommt. Künftige Forschungen an Burgen können diese Datierung vielleicht noch präzisieren.

 

burgenonkel

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