Bergfried    

Der Bergfried ist der Hauptturm einer Burganlage, der jedoch im Gegensatz zum Wohnturm nicht für das dauerhafte Bewohnen eingerichtet war. Der Name kommt aus dem mittelalterliche bergfrit, in der genannten Bedeutung wurde er aber von der deutschsprachigen Burgenforschung im Lauf der zweiten Hälfte des 19. Jh. eingeführt.
Bergfriede entstanden im Unterschied zum älteren Wohnturm erst im 12. Jh., die meisten Bergfriede wurden zwischen 1180 und 1250 errichtet. Der Bergfried war seit dem späten 12. Jh. ein prägendes Element der Burgenlandschaft in Mitteleuropa, während er in England und Frankreich nur selten auftritt.

Die Lage des Bergfrieds innerhalb der Burganlage variiert. Es gab frei im Zentrum der Burg stehende Bergfriede. Häufig war der Bergfried aber auch dezentral positioniert. Die meisten Bergfriede hatten ganz oder nahezu quadratische Grundrisse mit Seitenlängen von 6 m bis 12 m, in der Regel etwa 10 m. Weniger häufig waren runde Bergfriede, die meist eine Durchmesser von 7 bis 13 m hatten. Bergfriede hatten sehr unterschiedliche Höhen. Typisch ist die grosse Mauerstärke von üblicherweise 2-3 m. Dementsprechend klein war die Nutzfläche im Innern. Auch das Mauerwerk konnte unterschiedlich ausfallen, häufig aber wurden grosse Findlingssteine (Megalithmauerwerk) oder Grossquader, insbesondere Buckelquader, verwendet, um dem Turm bewusst eine archaische, machtvolle Gestalt zu verleihen. Fast immer konnte der Turm nur über einen Hocheingang in 3-8 m Höhe betreten werden.

Saxon

Runder Bergfried von Saxon VS

leer Der unterste Raum des Bergfrieds im Sockel, unterhalb des Hocheingangs, war bewusst mehrere Meter hoch und wies häufig eine Überwölbung auf, die nur durch einen schmalen Zugang ("Angstloch, Hungerloch") überwunden werden konnte, so dass eingedrungene Feinde nicht emporsteigen konnten. Dieses Sockelgeschoss ist also in erster Linie eine Sicherheitszone, wurde aber auch als Lagerraum genutzt. Die Funktion als Verlies gehört, wenn überhaupt, erst zu einer nachmittelalterlichen Umnutzung und ist in den meisten Burgen romantische Erfindung des 19. Jh.

Über dem Untergeschoss lagen mehrere Obergeschosse, die nur durch kleine schmale Schlitze beleuchtet wurden. Die Verbindung im Innern erfolgte in der Regel durch hölzerne Treppen, seltener durch Treppen innerhalb der Mauerstärke. Zwischendecken waren als Holzbalkendecken ausgeführt. Häufig überwölbt war hingegen das oberste Turmgeschoss, auf dem sich die Wehrplattform befand. Meist fehlen in Bergfrieden alle Elemente von Wohnausstattungen, gelegentlich gab es aber Kamine, Abortanlagen oder auch Schüttsteine.

Zuoberst lag die Wehrplattform, die mit einer Brustwehr mit Zinnen und gelegentlich mit Wehrerkern oder an den Ecken mit kleinen Türmchen versehen war. Wahrscheinlich waren die meisten Bergfriede mit einer Dachkonstruktion versehen, die entweder auf der Brustwehr aufsass oder hinter dieser auf dem Boden der Wehrplattform ansetzte. In solchen Fällen sorgten durch die Brustwehr hindurch geführte Wasserspeier für das Abfliessen des Regenwassers. leer

Bellinzona

Bellinzona Castelgrande TI mit zwei Türmen.

Die Frage nach der Funktion des Bergfrieds wird immer noch kontrovers diskutiert. Unbestritten ist aber zum einen, dass der Bergfried eine Wehr- und Schutzfunktion hatte. Die generelle Ansprache als "letzte Zufluchtsstätte" entspringt aber der romantisierenden Sichtweise des 19. Jh.

Zum zweiten kam dem weithin sichtbaren Bergfried offensichtlich im hohen Masse auch die Funktion als Status- und Machtsymbol zu. Für die Interpretation als Statussymbol spricht auch, dass in einigen Fällen sogar mehrere Bergfriede innerhalb einer Burg errichtet wurden. leer

Grasburg

Grasburg BE; Unterteil des Bergfriedes

 

   

Arbon

Bergfried von Arbon TG

leer

Grynau

Grynau, Tuggen SZ; Wohnturm am Linthkanal.